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Intelligenz – Erblichkeit – Gene – genetische Faktoren – Umwelt – Umweltfaktoren – Intelligenzforschung – Prozent – Prozentwerte – Heritabilität – Sarrazin – Sarrazin-Debatte – Bundespräsident – Bundeskanzlerin – CDU – SPD – Grüne – Linke – FDP – Spitzenpolitiker – Dummheit

Intelligenz, Erblichkeit, Prozentwerte und Dummheit in der öffentlichen Diskussion

In der Sarrazin-Debatte wird zurzeit ein Thema diskutiert, das in der Tat einige Aufmerksamkeit verdient. Ich meine die Aussage „Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich bedingt.“

Gehen wir der Einfachheit halber mal von der Aussage „Intelligenz ist zu 60 Prozent erblich“ aus. Vermutlich haben viele, die diese Aussage hören, ungefähr folgende Vorstellung:
Wenn ich die Intelligenz einer Person mit einem Kilo Butter gleichsetze, dann würde eine Erblichkeit von 60 Prozent bedeuten: 600 Gramm sind vererbt, also durch die Gene bestimmt und damit unveränderbar – und 400 Gramm sind durch die Umwelt bestimmt, also veränderbar.

Diese Vorstellung von Erblichkeit der Intelligenz ist völlig falsch. Sie hat nichts, aber auch gar nichts mit dem wissenschaftlichen Konzept von Erblichkeit zu tun! Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies einfach nur absurder Unsinn!

Das wissenschaftliche Konzept der Erblichkeit (Heritabilität) bezieht sich überhaupt nicht auf die Intelligenz einer einzelnen Person. Erblichkeit (Heritabilität) bezieht sich immer auf Personengruppen.
Wenn man in einer Gruppe die Intelligenz der einzelnen Mitglieder misst, dann wird man feststellen, dass sich die einzelnen Personen in ihrer Intelligenz voneinander unterscheiden. Das Ausmaß der Unterschiede kann man messen. Hierfür benutzt man in aller Regel das statistische Konzept der Varianz. Die Unterschiede zwischen den Personen (die Varianz) können einerseits auf genetische Faktoren (also Vererbung) zurückgehen, andererseits auf Umweltfaktoren. Darüber herrscht im Grunde keinerlei Dissens. Die Frage lautet: Welcher Anteil (wie viel Prozent) der Unterschiede lässt sich auf genetische Faktoren zurückführen und welcher Anteil (wie viel Prozent) auf Umweltfaktoren. Das ist eine sehr diffizile Fragestellung, für die äußerst komplexe statistische Methoden entwickelt wurden. Zu dieser Frage wurden Hunderte und Aberhunderte wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Selbstverständlich wurden dabei unterschiedliche Prozentanteile für den Einfluss genetischer Faktoren und Umweltfaktoren gefunden. Aber alle Untersuchungen zeigen:
1. Es gibt einen genetischen Einfluss auf die Intelligenz
2. Zumeist ist der genetische Einfluss (deutlich) größer als der Einfluss der Umweltfaktoren.

Die Intelligenzforschung lässt keinerlei Zweifel: Die Intelligenzunterschiede zwischen Personen haben eine genetische Basis.

Wichtig ist: Es geht hier nicht um die Intelligenz einer einzelnen Person, sondern immer um Unterschiede zwischen Mitgliedern einer Personengruppe.

Daraus ergibt sich eine wichtige Folgerung: Die Erblichkeit (Heritabilität) hat gar keine feste Prozentzahl – der konkrete Wert wird immer auch davon abhängen, welche Personengruppe untersucht wurde.

Im Extremfall könnten sich folgende Situationen ergeben:

Wenn alle Menschen exakt den gleichen Umweltbedingungen ausgesetzt würden, dann wäre der Einfluss der Umwelt gleich 0 Prozent und alle Unterschiede wären ausschließlich auf genetische Ursachen zurückzuführen. Das heißt: In diesem Falle wäre die Erblichkeit gleich 100 Prozent!

Wenn alle Menschen genetisch identische Klone wären, dann wäre der Einfluss der Erbanlagen gleich 0 Prozent und alle Unterschiede wären auf Umweltfaktoren zurückzuführen.

In allen anderen Fällen liegen die Anteile von Erbe und Umwelt irgendwo dazwischen. Das heißt: In allen realistischen Situationen muss es zwangsläufig einen Einfluss von genetischen Faktoren geben.

Wer den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Erblichkeit grundsätzlich bestreitet, ist nicht wert, dass man sich mit ihm auseinandersetzt.
Diese These ist einfach nur idiotisch!

Es ist kaum zu fassen, dass sich nahezu alle führenden Politiker vom Bundespräsidenten Christian Wulff über die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Vorsitzenden und Führungskader aller Parteien – CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP – in einer megagroßen Koalition der Dummheit und Anti-Wissenschaflichkeit zusammenrotten und das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung abschaffen wollen. Hier legt unsere politische Führungsriege nicht nur eine unglaubliche Dummheit an den Tag, hier zeigt sie auch ganz offen, dass sie die demokratischen Grundrechte mit Füßen tritt.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Sarrazin vor das Bundesverfassungsgericht zieht und dass die obersten Richter die Verfassungsfeindlichkeit unserer führenden Politriege offenlegen.

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4 Antworten

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  1. […] IST erblich“ unter https://herbstgedicht.wordpress.com/2010/09/01/intelligenz-ist-erblich/ „Intelligenz, Erblichkeit, Prozentwerte“ unter […]

  2. Zu dem Thema ist das hier auch ganz interessant – „Es gibt keinen Volks-IQ“:

    http://www.ksta.de/html/artikel/1281431664976.shtml

    Also hat Herr S. Recht, dass Intelligenz auch erblich ist, liegt aber vollkommen daneben, das an Völkern festzumachen.

    Peter

    4. September 2010 at 23:38

  3. Vielen Dank für die Antwort,

    sie liegt aber daneben (siehe dazu weiter unten)!

    Den IQ kann man an jeder beliebigen Personengruppe feststellen – und damit selbstverständlich auch an Völkern. Das traut sich kaum jemand, weil dann sofort ein Aufstand des Political-Correctness-Mobs erfolgt (siehe Sarrazin).

    Zu IQ-Unterschieden zwischen Völkern gibt es dennoch eine umfangreiche Fachliteratur, die in den Medien totgeschwiegen wird.

    Ein sehr gutes Buch ist zum Beispiel
    IQ and the Wealth of Nations von Richard Lynn und Tatu Vanhanen
    oder
    Rasse, Evolution und Verhalten: Eine Theorie der Entwicklungsgeschichte von J. Philippe Rushton
    oder
    Die IQ-Falle von Volkmar Weiss

    ***

    Und hier eine Anmerkung zu dem ursprünglichen Text. Es geht um das Interview des Genetikers Markus Nöthen im Kölner Stadtanzeiger vom 31.08.2010.
    Nöthen sagt dort: Natürlich unterscheiden sich Volksgruppen auch genetisch voneinander. Spanier und Italiener haben im Durchschnitt dunklere Haare als Finnen und Schweden. In einigen ethnischen Gruppen, die aufgrund einer isolierten Lage etwa auf einer Insel aus wenigen „Gründermüttern“ und „Gründervätern“ hervorgegangen sind, häufen sich auch bestimmte Erkrankungen, die auf ein oder nur ganz wenige Gene zurückzuführen sind. Aber bei hochkomplexen Eigenschaften wie Intelligenz sind Hunderte von Genen im Spiel. Es gibt keinen deutschen oder türkischen „Volks-IQ“ und auch kein einzelnes Intelligenzgen.

    Dazu ist zu sagen: Ob Intelligenzunterschiede auf ein Gen, auf drei Gene oder auf Hunderte Gene zurückzuführen sind, ist irrelevant. Unterschied bleibt Unterschied! Sein Nachschlag bezüglich deutschem und türkischem „Volks-IQ“ ist eine kluge Ausweichklausel, um sich vor unsinnigen Angriffen zu schützen.

    Ronald

    5. September 2010 at 07:48

  4. […] Siehe dazu meinen Beiträge Intelligenz, Erbe, Umwelt Intelligenz IST erblich Intelligenz, Erblichkeit, Prozentwerte. […]


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