Herbstgedicht

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Gedicht – Gartenerde – Claudia Sperlich

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Spitz-Wegerich Spitzwegerich

Spitz-Wegerich Spitzwegerich

Gedicht – Gartenerde – Claudia Sperlich

Gartenerde
© Claudia Sperlich

Das weiche Gras schleicht unter meinen Sohlen hin,
beugt sich nur kurz, wie schwer ich immer laste.
In einem Winkel unsers Gartens siebe
ich Erde, duftende, vor Tausendfüßlers Augen,
der sucht die Gartenmauer zu erklimmen.
Der feine Humus soll die Beete nähren
und nährt auch Giersch, denn er ist unparteiisch.
Mit frischer Erde deck ich alte Erde,
selbst alt und kinderlos, steh ich noch über ihr –
doch eines Tages wird aus meinem alten Leib
würzig duftende Erde für Blumen und Bäume.

***

Das Foto wurde am 28. Mai 2009 aufgenommen, und zwar in den Wiesen an der Verlängerung der Albertstraße.

Written by Ronald

20. Juni 2009 at 16:05

Mein Haus – mein Garten – mein Sohn

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Mein Haus - mein Garten - mein Sohn

Mein Haus - mein Garten - mein Sohn

Mein Haus – mein Garten – mein Sohn

Dieses Bild will ich mal ganz bedeutungsschwanger unter ein (pseudo-)philosophisches Motto stellen: Alles eine Frage der Perspektive oder: Manchmal fällt es schwer, die Dinge, mit denen wir aus dem alltäglichen Leben vertraut sind, zu erkennen.

Dieses Bild gehört zu meinen Lieblingsfotos, aber um das zu verstehen, muss man erst mal wissen, was es zeigt.

Aufgenommen habe ich es im Oktober 2002, als ich meine Mutter besuchte und wir ihren 75. Geburtstag feierten.

Im Jahr darauf habe ich dieses Bild gerahmt und meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt – und damit zunächst mal eine große Irritation ausgelöst. Sie konnte nicht erkennen, was das Bild darstellt und wunderte sich über dieses merkwürdige Geburtstagsgeschenk.

Also musste ich erst mal erklären, was auf dem Bild zu sehen ist:
Es zeigt ihr Haus, das sie als junge Frau kurz nach dem Kriege mit aufgebaut hat.
Es zeigt ihren Garten, den sie über alles liebt und stets mit allergrößter Sorgfalt und Liebe gepflegt hat.
Und es zeigt ihren Sohn, nämlich mich.

Aber um ehrlich zu sein: Da ist viel leichter gesagt, als zu erkennen. Da ich das Foto selbst aufgenommen habe, weiß ich natürlich, was es zeigt. Aber ohne dieses Hintergrundwissen kann man es nur mit allergrößter Mühe enträtseln. Durch die Spiegelung wird das Bild seitenverkehrt und durch die Kugeloberfläche werden die Relationen extrem verzerrt. Zusammengenommen wird dadurch die Geometrie so stark verändert, dass ich – obwohl ich genau weiß, wo der Aufnahmestandort ist und was auf dem Bild zu sehen ist – immer wieder enorme Schwierigkeiten habe, die Anordnung der Gebäude korrekt zu rekonstruieren. Kein Wunder also, dass meine Mutter über dieses Geschenk zunächst mal irritiert war. Aber nachdem ich sie aufgeklärt habe, hat es einen Ehrenplatz gefunden.

Mein Haus – mein Garten – mein Sohn.

Written by Ronald

29. März 2009 at 11:33