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Auf Goethes Spuren – Der Brennende Berg in Dudweiler

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Brennender Berg in Dudweiler

Zugegeben: das Foto ist nicht gerade spektakulär. Aber immerhin gibt es dazu eine recht interessante Geschichte zu erzählen.

Die Aufnahme entstand Anfang März 2003 und zeigt eine Felsspalte, aus der Rauch aufsteigt. Diese Felsspalte befindet sich auf dem Brennenden Berg in Dudweiler (heute der nördlichste Stadtteil von Saarbrücken). Und genau dieser Brennende Berg ist dank Johann Wolfgang von Goethe in die Weltliteratur eingegangen.

Im Jahre 1668 – so will es die Sage wissen – ist wegen eines Hirtenfeuers ein Kohleflöz, das den Berg durchzieht, in Brand geraten und seither ist ein Schwelbrand im Gange. Man nimmt jedoch heute an, dass der unterirdische Brand durch Selbstentzündung durch Druck und Zersetzung umfangreicher Haldenbestände entstanden ist, die sich infolge der wilden Kohlengräberei anhäuften. Anfangs muss der Berg mächtig gequalmt haben, so dass die Bezeichnung „Brennender Berg“ voll gerechtfertigt war.

Im Laufe der Zeit hat die Rauchentwicklung stark abgenommen. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts, so wird berichtet, wurden häufig Schulausflüge in die Bergschlucht unternommen und die Kinder brachten Eier mit, die sie in den Felsspalten siedeten. Heute ist jedoch – wie das Foto zeigt – von dem immer noch aktiven unterirdischen Schwelbrand nur noch wenig zu sehen. Aber wenn man an eine Bergspalte herantritt und die Hand in den austretenden Dampf hält, kann man sich durchaus die Finger verbrennen.

Für Dudweiler erlangte der Brennende Berg eine große wirtschaftliche Bedeutung. Durch den unterirdischen Brand wurden Tonschiefer derart geröstet, dass daraus das seinerzeit sehr wertvolle Alaun gewonnen wurde, das über einige Jahrzehnte eine wichtige wirtschaftliche Grundlage bildete. (Über die vielfältige Nutzung von Alaun gibt zum Beispiel in der entsprechende Wikipedia-Artikel Auskunft.)

Berühmt wurde der Brennende Berg durch Johann Wolfgang von Goethe.

Im Jahre 1770 weilte der Dichterfürst im elsässischen Straßburg. Von dort aus unternahm er verschiedene Ausflüge. In Juni 1770 besuchte er auch die reichen Steinkohlegruben und die Eisen- und Alaunwerke in Dudweiler. Bei dieser Gelegenheit besichtigte er auch den Brennenden Berg. Seine Eindrücke über dieses Naturschauspiel schildert er in seinem bedeutsamen Werk Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, das 1811 bei Cotta erschien (Zweiter Teil, zehntes Buch).

Lassen wir den Dichter selbst zu Worte kommen: Wir hörten von den reichen Dutweiler Steinkohlegruben, von Eisen- und Alaunwerken, ja sogar von einem brennenden Berge, und rüsteten uns, diese Wunder in der Nähe zu beschauen … Unser Weg ging nunmehr an den Rinnen hinauf, in welchen das Alaunwasser heruntergeleitet wird, und an dem vornehmsten Stollen vorbei, den sie die ‚Landgrube‘ nennen, woraus die beühmten Dutweiler Steinkohlen gezogen werden … Nun gelangten wir zu offenen Gruben, in welchen die gerösteten Alaunschiefer ausgelaugt wurden, und bald darauf überraschte uns, obgleich vorbereitet, ein seltsames Begegnis. Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns; die eine Seite der Hohle war nahezu glühend, mit rötlichem, weißgebranntem Stein bedeckt; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor, und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen. Ein so zufälliges Ereignis, denn man weiß nicht, wie diese Strecke sich entzündete, gewährt der Alaunfabrik großen Vorteil, daß die Schiefer, woraus die Oberfläche des Berges besteht, vollkommen geröstet daligen und nur kurz und gut ausgelaugt werden dürfen. Die ganze Klamme war entstanden, dass man nach und nach die kalzinierten Schiefer abgeräumt und verbraucht hatte. Wir kletterten aus dieser Tiefe hervor und waren auf dem Gipfel des Berges. Ein anmutiger Buchenwald umgab den Platz, der auf die Hohle folgte und sich ihr zu beiden Seiten verbreitete. Mehrere Bäume standen schon verdorrt, andere welkten in der Nähe von andern, die, noch ganz frisch, jene Glut nicht ahndeten, welche sich auch ihren Wurzeln bedrohend näherte. Auf dem Platze dampften verschiedene Öffnungen, andere hatten schon ausgeraucht, und so glomm dieses Feuer bereits zehen Jahre durch alte verbrochene Stollen und Schächte, mit welchem der Berg unterminiert ist.

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Eine schicke Frisur

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Friseur Frisur Greiskraut

Friseur Frisur Greiskraut

Bei diesem Foto habe ich das Gefühl, ich müsste dringend mal wieder zum Friseur gehen. Das Gefühl täuscht aber, denn meine Haarpracht ist alles andere als üppig.

Wie dem auch sei: Heute bin ich mal wieder zum Brennenden Berg gewandert. Jene kleine Schlucht, der im Jahre 1770 auch Johann Wolfgang von Goethe einen Besuch abstattete. Damals machte der Brennende Berg seinem Namen noch alle Ehre – das heißt: er qualmte wie ein Schlot – und der Dichterfürst war dermaßen beeindruckt, dass er seinem Besuch in „Dichtung und Wahrheit“ ein literarisches Denkmal setzte. Heute kann man nur noch an einigen wenigen Bergspalten erahnen, dass das Kohleflöz im Innern des Berges immer noch glimmt. Wenn man die Hand hinhält, merkt man rasch, wie heiß es in der Tiefe ist.

In fotografischer Hinsicht hat der Wald zurzeit sehr viel weniger zu bieten als eine gewöhnliche Wiese. Schmetterlinge habe ich im Wald überhaupt keine gesehen und auch die Blütenpracht ist im Wald sehr viel dürftiger als auf wildwachsenden Wiesen.

Das Foto habe ich in der Nähe des Sportplatzes und der Sulzbachtalstraße aufgenommen. Ich bin nicht sicher, um welche Pflanze es sich handelt, aber eventuell könnte es Greiskraut sein. In diesem Falle wären wir ja ganz nah am Thema Frisur, Friseur, Haare, denn der Name „Greiskraut“ leitet sich von lat. senex = Greis her, vermutlich, weil die fruchtenden Pflanzen durch die weißlichen Haarkronen der Früchte an Greisenhaare erinnern. Eine weitere Möglichkeit wäre wegen der halbkugeligen und nackten, an Glatzköpfe erinnernden Blütenböden (lt. Wikipedia).

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Systematik der Greiskräuter nach Wikipedia:

Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Greiskräuter

Wissenschaftlicher Name
Senecio
L.

Written by Ronald

12. Juni 2009 at 17:52