Herbstgedicht

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PISA Intelligenz

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Lieber Josef,

im Folgenden nehmen wir Martin Spiewaks Kritik in der ZEIT unter die Lupe (ich kenne den ZEIT-Artikel nicht und kann mich daher nur auf das beziehen, was in der „Anti-Sarrazin-Argumente“-Liste steht).

Martin Spiewak kritisierte Sarrazins Thesen zur Bildungspolitik in der „Zeit“ als „knapp an der Lüge vorbei … eine Mischung von Wahrheiten mit Halbwahrheiten und Unsinn“.

Das sind starke Worte. Ich lasse sie im Moment mal so stehen, komme aber darauf zurück.

Als besonders sinnentstellend kritisierte Spiewak Sarrazins Folgerung auf ein Resultat der PISA-Studien, wonach „Schüler mit einem türkischen Migrationshintergrund erneut schlechter abschnitten als alle anderen Einwanderergruppen“. Dies sei von Sarrazin „genetisch“ begründet worden, obwohl die offizielle PISA-Studien-Folgerung hierzu lautete, dass dieses Defizit sich mit „sozioökonomischen Faktoren“ (Armut) und der mangelnden Beherrschung der deutschen Sprache erklären ließe.

Als Erstes erhebt sich die Frage, ob „die offizielle PISA-Studien-Folgerung“ eine göttliche Offenbarung ist, die keinem Zweifel unterliegt. Wenn die PISA-Autoren sagen, die enormen Leistungsunterschiede seien (alleine) auf sozioökonomische Faktoren und Sprachbeherrschung zurückzuführen, dann ist dies eine Behauptung/Interpretation/Hypothese – nicht mehr und nicht weniger. Wer auch nur einen Funken Ahnung hat, kann über diese kulturdeterministische Deutung nur den Kopf schütteln.

Der Psychologe Heiner Rindermann hat die Frage aufgeworfen, was bei den PISA-Studien eigentlich gemessen wird. Dabei musste er zunächst einmal feststellen, dass in den PISA-Studien das Konzept Intelligenz völlig ignoriert wird. Rindermann hat sich (mit erheblicher Mühe) von den PISA-Autoren Daten beschafft und umfangreiche Nach- und Zusatzanalysen durchgeführt. Dabei konnte er zeigen, dass die PISA-Leistungen extrem hoch mit der allgemeinen Intelligenz korrelieren. Der Zusammenhang ist so eng, dass man auch sagen kann: Die PISA-Tests sind hervorragende Intelligenztests.

Wenn man das Konzept Intelligenz berücksichtigt – und das muss man in diesem Falle – , dann ist die offizielle Interpretation der PISA-Autoren völlig unhaltbar. Dann kann man nicht alles auf Umweltfaktoren schieben. Dann müssen auch genetische Faktoren eine ganz erhebliche Rolle spielen. – Und damit bricht Martin Spiwaks Argument restlos in sich zusammen.

Rindermanns Arbeit (Psychologische Rundschau, 2006, Heft 2) hat großes Aufsehen erregt. Auch Sarrazin bezieht sich auf Rindermanns Studie. Martin Spiwak müsste sie also kennen. Wenn er sie nicht kennt, ist er in einem entscheidenden Punkt einfach nur ungebildet. Falls er sie doch kennt – warum unterschlägt er sie?

Benutzen wir die Worte von Martin Spiwak selbst: Was Martin Spiwak den ZEIT-Lesern vorgaukelt, geht knapp an der Lüge vorbei und ist eine Mischung von Wahrheiten mit Halbwahrheiten und Unsinn.

Auf PISA und (das Totschweigen der) Intelligenz komme ich im nächsten Beitrag zurück.

Beste Grüße
Ronald

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Eine Antwort

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  1. […] im letzten Beitrag haben wir erfahren, dass in den PISA-Studien das Konzept Intelligenz völlig igno…. Wie kann man sich mit Bildung befassen und dabei das Thema Intelligenz unter den Teppich kehren? Intelligenz ist eine unerlässliche Voraussetzung, um überhaupt Bildung erwerben zu können. […]


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